Felkner Anbau

Auftraggeber:
privat

Leistungen:
LPH 1-8 HOAI
Bestandsaufnahme
EnEV-Berechnungen
Dampfdiffusionsberechnungen
Energiekonzept

Planung:
ab 01/2006

Realisierung:
04/2006 bis 03/2007

Daten:
Beheiztes Volumen 321 m³
Gebäudenutzfläche 96 m²

Energiestandard:
Faktor 10-Sanierung
Primärenergiebedarf 35,9 kWh/m²a
Heizenergiebedarf 46,2 kWh/m²a

Projektbeteiligte:
keine


 

Ausgangslage:

Beim Objekt Felkner handelt es sich um einen großen alten Bauernhof inmitten des alten Ortskernes von Waltenhofen-Oberdorf. Die Landwirtschaft als Haupterwerb wurde Ende der 60er mit dem Verkauf des Großteils der zum Hof gehörenden Flächen als Bauland aufgegeben. Bis zum Erwerb durch die Familie Felkner diente das Gebäude als Kinderwohnheim bzw. Ferienwohnhaus wobei der Widerkehr über dem Roßstall als Betreuerwohnung genutzt wurde. Im 1998 umgebauten Stall befindet sich das Architekturbüro Michael Felkner und in der Scheune entstand der Naturkostladen Der Ritterhof. Die 135 m² Ladenfläche benötigen überhaupt keine Heizenergie und das 125 m² große Architekturbüro deckt seinen Raumwärmebedarf zu 70 % aus Solarenergie. Die Sanierung des Wohnteils geht dem Ende entgegen. Als einer der letzten Schritte wurde die Einliegerwohnung teilweise barrierefrei umgestaltet und energetisch saniert. Hierzu wurde dieser Bauteil 2005 zur Teilnahme am DENA-Modellvorhaben (Deutsche Energie Agentur) „Niedrigenergiehaus im Bestand“ eingereicht.

Konzept:

Mit der Aufnahme als eines von 100 Projekten in Deutschland wurde die Wohnung 2006 generalsaniert, d.h. außer dem bereits instandgesetzten Dach blieben nur die tragenden Balken der Riegelwände über dem gemauerten Sockelgeschoß bestehen. In diese hinein wurden neue mit OSB-Platten ausgesteifte und mit Hanf wärmegedämmte Holzbauständerwände gestellt. Hinter der Lärchenschalung befindet sich eine wasserabweisend imprägnierte Holzweichfaserplatte. Auf der Raumseite befindet sich eine gedämmte Installationsebene, die mit Lehmbauplatten und Lehmputz verkleidet wurde. Die alten Sparren der Dachkonstruktion erhielten seitliche Anlaschungen. Auf die Beplankung aus OSB kam hier ebenfalls eine gedämmt Installationsebene mit Lehmplatten und Lehmputz. Die Zwischendecke ist als Leimholzdecke ausgeführt, die Decke zu den darunter liegenden Stallungen wurde mit einer Balkenlage überbaut, deren Gefache mit Hobelspänen gedämmt wurden, darauf ebenfalls OSB mit Trittschalldämmung und Massivholz-Dielenboden. Die unbehandelten Lärchenholfenster sind 3-fach verglast, die Dachflächenfenster sind passivhaustauglich. Auch die Haustechnik stammt aus der Passivhausbauweise: ein Lüftungsgerät mit 80 % Wärmerückgewinnung sorgt ständig für frische und saubere Luft. Eine 12 m² große Solaranlage speist die kostenlos gewonnene Sonnenwärme in einen 700 Liter fassenden Pufferspeicher ein. Von dort aus werden die Räume an ausgewählten Stellen über Wandstrahlheizflächen im Lehmputz angenehm erwärmt. Scheint weder die Sonne noch steht genügend Ab- bzw. Recyclingwärme zur Verfügung, so wird ein Küchenofen mit Wärmetauscher mit Stückholz angefeuert. Ein Teil der Wärme wird direkt an den Raum abgegeben, der Rest geht in den Pufferspeicher. Auch das Warmwasser kommt über eine Frischwasserstation aus dem Pufferspeicher.

Sonstiges:

Um nicht nur energetisch beste Resultate zu erzielen sondern um auch gesamtökologisch Maßstäbe zu setzen wurden hier ausschließlich Bau- und Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen aus der Region verwendet. Das unbehandelte Holz gewährleistet zusammen mit dem Baustoff Lehm die bestmögliche Voraussetzung für eine optimale Raumluftqualität, die natürlich durch die Filteranlage im Lüftungsgerät unterstützt wird. Man sollte es nicht glauben, doch obwohl das Gebäude weitab von Immissionsquellen steht, müssen die Filter 2 bis 3 mal im Jahr gewechselt werden. Wenn ein Architekt für sich selbst baut so hat dies natürlich Vorzeigecharakter. In diesem Fall wurde das Gesamtprojekt Der Ritterhof auf der 12. Internationalen Passivhaustagung 2008 in Nürnberg einem Publikum von über 1000 Fachleuten aus aller Welt vorgestellt. Im Jahr zuvor wurde es mit dem KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) Energieeffizienzpreis für die energetische Modernisierung von gewerblich genutzten Gebäuden (1. Preis) ausgezeichnet.

    Felkner_Felkner_p Detail Querschnitt-1000Felkner 6FelknerDSC_0012DSC_0039Felkner 2Felkner 5Felkner_Felkner_p Detail Längsschnitt-1000Felkner_Felkner_p GR EG-1000