Wiederaufbau Ökonomie Maienhof

Auftraggeber:
Privat

Leistungen:
LPH 1-5 HOAI
Bestandsaufnahme
EnEV-Berechnungen
Dampfdiffusionsberechnungen
Energiekonzept

Planung:
ab 04/2011

Realisierung:
09/2011 bis 12/2008

Daten:
Beheiztes Volumen 953 m³
Gebäudenutzfläche 305 m²

Energiestandard:
KfW-Effizienzhaus 70
Primärenergiebedarf 44 kWh/m²a
Heizwärmebedarf 55 kWh/m²a

Projektbeteiligte:
Fa. Ambros (Generalübernehmer)

 

Ausgangslage:

Die Ökonomiegebäude des Maienhofes wurden Anfang 2011 ein Raub der Flammen. Die hölzernen Heulagerräume über den gemauerten Stallungen brannten komplett nieder. Das durch eine Brandwand abgetrennte Gesindehaus wurde durch die Flammen zwar nur leicht geschädigt, doch Rauch und Löschwasser hinterließen auch hier ihre Spuren. Es stellte sich die Frage nach dem Wiederaufbau.


Konzept:

Nach einem Brandschaden stellt sich zunächst immer die Frage wie hoch die Versicherungssumme ist und inwieweit man mit diesem Geld die ursprünglichen Gebäude wieder herstellen kann. Zudem stellte sich nach den ersten Untersuchungen heraus, daß eine Erhaltung des Sockelgeschoßes unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht darstellbar war. Ferner mußte ein Wiederaufbau im Hinblick auf mögliche Nutzungen geschehen. Die Vorstellungen des Bauherrn gingen in Richtung Genossenschaftssennerei mit Käseverkauf und Café/Imbiss. Die Verhandlungen mit potenziellen Betreibern zogen sich in die Länge, sodaß wir unser Hauptaugenmerk zunächst auf die Sanierung des Gesindehauses legten. Insbesondere die Holzbalkendecke zum Dachgeschoß war hier so stark durch Löschwasser geschädigt, daß hier eine Freilegung bis auf die Balken unumgänglich war. Klar war auch, daß die Obergeschoßwohnung deutlich an Qualität gewinnen würde, wenn diese bis ins Dachgeschoß hinein reichen würde. So war schnell klar, daß hier zusammen mit einem neuen wärmegedämmten Dachstuhl eine Brettstapeldecke zur Ausführung kommen sollte. Neue Fenster, Fassaden dämmen, Kellerdecken dämmen und eine neue Holzpelletsheizung, die darauf ausgelegt ist, zukünftig auch das Herrschaftshaus mit zu versorgen standen ferner auf dem Programm. Im Zuge der Sanierung wurde dem im wahrsten Sinne des Wortes „farblosen“ Gesindehaus ein stattliches Erscheinungsbild verpaßt, für das der Bauherr und Innenarchitekt selbst verantwortlich zeichnet. Enttäuscht darüber, daß nach fast 2 Jahren intensiven Gesprächen mit Landwirten und potentiellen Betreibern keine Aufbruchstimmung erzeugt werden konnte, entschieden sich die Eigentümer trotzdem für einen Wiederaufbau, der auf die vielleicht spätere Ansiedelung einer Spezialitäten-Käserei mit angeschlossenem Verkauf, Imbiß und sogar einer musealen Nutzung ausgelegt ist. Bedingt durch die Lage unmittelbar an einer Kreisstraße, den Wiederaufbau mit reduzierten Volumina und einer gewünschten Städtebaulich-räumlichen Trennung zwischen Ökonomie wurden viele Entwurfsvarianten diskutiert und wieder verworfen bis vom Bauherrn selbst der entscheidende Anstoß für eine Anlage kam, die mit den Vorgängerbauten fast nichts mehr gemein hatte. Dabei wurden die beiden Endstücke des ursprünglichen zweiseitigen Wiederkehrs als jeweils eigenständige Baukörper erhalten und wieder aufgebaut. An die Brandwand des Gesindehauses wurde ein Querbau angefügt, der an den ursprünglichen Ökonomiebau erinnert und daran schließt sich wiederum in Fortsetzung der Firstrichtung des Wohngebäudes ein Längsbau an, der bei Bedarf später verlängert werden könnte. So entsteht anstelle der ehemaligen Stallungen ein von Gebäuden umrahmter Hofraum, abgerückt von der Straße, abgegrenzt zum Herrschaftshaus. Eine wirklich zündende Idee, denn hier entsteht ein Freiraum, in dem man sich gerne aufhalten mag.


Sonstiges:

Der Maienhof ist die Heimat des Allgäuer Milchwirtschaftspioniers Carl Hirnbein. Mit diesem Namen und entsprechender traditioneller handwerklicher Produktiuon wäre es gut möglich, auch heute eine Spezialitäten-Sennerei neu zu gründen. Freilich ist ein gewisses Risiko dabei. Doch auch Hirnbein ist damals Risiken eingegangen, zumal er mit seinen Ideen Neuland betreten hat. Und wer die Allgäuer kennt, der weiß, wie skeptisch hier die Alteingesessenen gegenüber Neuem sind. Aber warten wir mal ab, denn der wirtschaftliche Druck auf die im (inter-) nationalen Vergleich als Kleinbauern anzusehende Allgäuer Landwirte wird eher zu- als abnehmen. Vielleicht sind dann neue (alte) Ideen gefragt. Die se Gebäudeanlage steht übrigens unter Denkmalschutz.

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