Alte Schule Grünenbach

Auftraggeber:
Gemeinde Grünenbach

Leistungen:
LPH 1-8 HOAI
Bestandsaufnahme
Denkmalschutzrechtliche Genehmigung
EnEV-Berechnungen
Dampfdiffusionsberechnungen
Energiekonzept
Haustechnikplanung

Planung:
ab 05/2009

Realisierung:
06/2012 bis 03/2015

Daten:
Beheiztes Volumen xxx m³
Gebäudenutzfläche xxx m²

Energiestandard:
Primärenergiebedarf xx kWh/m²a
Heizwärmebedarf xx kWh/m²a

Projektbeteiligte:
IB Dr. Schütz

 

Ausgangslage:

Die alte Schule an der Hauptstraße gegenüber der Kirche steht unter Denkmalschutz, obwohl sie vielleicht gerade erst mal 150 Jahre alt. In jedem Fall handelt es sich um ein ortsbildprägendes Gebäude. Der große Schulsaal im Obergeschoß des Hausstocks wird als solcher schon lange nicht mehr genutzt. Der Wohnteil wurde vermietet, der Schulsaal in mehrere Räume unterteilt. Ursprünglich wurde dieses Gebäude wohl als Kaplanhaus errichtet. Dies erklärt den relativ großen ehemaligen landwirtschaftlichen Gebäudeteil. Der Westteil davon wurde in den 70er Jahren abgerissen und durch eine LKW-Garage ersetzt. Im Stockwerk darüber entstand ein Musikprobenraum für die örtliche Musikkapelle. Im Mittelteil waren im Erdgeschoß noch die Reste des ehemaligen Kuhstalls erhalten während im Obergeschoß Schultoiletten und Abstellräume eingebaut wurden. Das Traggerüst des Dachstuhls ist noch komplett erhalten, wenn auch beim Umbau in den 70er Jahren die angefaulten und ehemals geschweiften Sparren an der Traufe gekappt, teilweise sogar ausgewechselt wurden.

Konzept:

Die Verwaltung der Gemeinde Grünenbach befindet sich in Ebratshofen. Lange schon beschäftigte man sich mit dem Gedanken, das Rathaus in den Hauptort nach Grünenbach zu verlegen. Die Kirche verfügt für ihre Gemeindearbeit über Räumlichkeiten im Pfarrhof, was aber wegen der gleichzeitigen Wohnnutzung nicht optimal ist. Der inzwischen zu kleine Musikprobenraum kann nur unzulänglich beheizt werden. Und dann gibt es hier auf dem Land kaum Angebote für demente ältere Menschen und ihre Angehörigen. Aus all diesen Wünschen und Nöten wurde ein Konzept für ein Dorfgemeinschaftshaus „gestrickt“: dem Bürgermeister reichen die Räume im Erdgeschoß des Wohnteils und im alten Schulsaal wird die Demenzbetreuung untergebracht. Der Musikprobenraum wird vergrößert, ebenso die zum Gemeindesaal umfunktionierte ehemalige Garage im Erdgeschoß. Bleibt noch der Rest des maroden und deswegen vollkommen zu erneuernden Mittelteils, wo WC-Anlagen und ein Vereinsbüro Platz finden. Auf der straßenabgewandten Südseite ergibt sich ein moderner, komplett verglaster und sich über zwei Geschoße erstreckender Foyeranbau, der sämtliche Ebenen barrierefrei miteinander verbindet. Während der Hausstock mit seinen historischen Innenausbauten weitgehend erhalten und außen wieder verschindelt wird, erhält der ehemalige landwirtschaftliche Gebäudeteil eine moderne Holzfassade. Das Holz für sämtliche Holzbauarbeiten wurde im gemeindeeigenen Wald geschlagen bzw. von Bürgern gestiftet. Lediglich die neuen Weißtannenverkleidungen wurden zugekauft. Auch bei diesem Projekt ist Gemeinsinn gefragt. Viele Arbeiten werden von Freiwilligen aus den örtlichen Vereinen erbracht. Das heißt aber beileibe nicht, daß hier Abstriche gemacht werden – weder an der gestalterischen Ansprüchen noch an der Qualität der Ausführung oder gar am energetischen Standard. Ziel war es, den Energieverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren. Das ist natürlich bei einem denkmalgeschützten Gebäude nicht ganz einfach. Vor allem an der Fassade des Hausstocks konnten nur begrenzte Dämmstoffdicken realisiert werden. Alle übrigen Bauteile wurden jedoch wie bei einem Passivhaus gedämmt. Musikprobenraum und Gemeindesaal sind zudem mit Lüftungsgeräten mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Zur Beheizung war ursprünglich eine Wärmepumpe im Gespräch, die über eine auf der südlichen Dachhälfte angebrachten PV-Anlage mit selbst erzeugtem Strom versorgt werden sollte. Obwohl diese Dachfläche kaum einsehbar ist, spielten hier die Denkmalschützer nicht mit. So wurde es leider nichts mit dem 0-Energie-Standard. Jetzt sorgt halt ein Pelletskessel für die notwendige Wärme.


Sonstiges:

Die Aufgeschlossenheit der Verantwortlichen gegenüber energieoptimierten Lösungen wurde leider durch die obersten Denkmalschützer aus München blockiert. Überhaupt waren hier viele intensive Gespräche mit den Behörden notwendig um für den Bauherrn akzeptable Lösungen zu erzielen. Wenn das Gebäude bezugsfertig ist und demnächst auch noch das Umfeld mit dem Dorfplatz neu gestaltet wird, erhält das Gebäude wieder seinen ursprünglichen Stellenwert.

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