Mehrfamilienhaus Ambros

Auftraggeber:
privat

Leistungen:
LPH 1-5 HOAI
Bestandsaufnahme
EnEV-Berechnungen
Dampfdiffusionsberechnungen

Planung:
ab 01/2006

Realisierung:
03/2007 bis 08/2007

Daten:
Beheiztes Volumen 1403 m³
Gebäudenutzfläche 588 m²

Energiestandard:
Faktor 10-Sanierung
Primärenergiebedarf 32,7 kWh/m²a
Heizenergiebedarf 15 kWh/m²a

Projektbeteiligte:
IB Herz & Lang
IB Keilholz
Fa. Solux

 

Ausgangslage:

Das Mehrfamilienhaus wurde vom Vater des jetzigen Inhabers einer Holzbaufirma 1960 als Geldanlage am Rande des eigenen Betriebsgeländes an einer viel befahrenen Straße errichtet. Bereits kurz nach der Fertigstellung waren die 4 Wohnungen sofort vermietet, sodaß im Dachgeschoß zwei weitere Wohnungen ausgebaut wurden, die allerdings nur über die beiden Giebelseiten und Dachflächenfenster belichtet werden konnten. Die Einzelöfen wurden zwischenzeitlich durch eine Öl-Zentralheizung ersetzt. Aufgrund des zunehmenden Verkehrslärms wurde ein großer Teil der Fenster gegen Schallschutzfenster ausgetauscht. Ein Aufenthalt auf den nach Südwesten orientierten Terrassen und Balkonen mit herrlichem Bergblick ist wegen der Lärmbelästigung kaum möglich. Durch eine energetische Sanierung einschließlich Einbau einer kontrollierten Wohnraumlüftung erwartete sich der Bauherr entscheidende Qualitätsverbesserungen. Deshalb wurde das Gebäude 2005 zur Teilnahme am DENA-Modellvorhaben (Deutsche Energie Agentur) „Niedrigenergiehaus im Bestand“ eingereicht.


Konzept:

Nach der Aufnahme als eines von 100 Projekten in Deutschland wurde im Januar 2006 mit der Planung begonnen. Als innovativer Holzbauunternehmer konfrontierte uns der Bauherr mit der Aufgabe die Dämmung der Fassade mit vorgefertigten Holzbauelementen vorzunehmen. Daß das unzulänglich ausgebaute Dachgeschoß durch einen neuen Aufsatz in Holzbauweise ersetzt werden sollte war ohnehin naheliegend. Der Bauherr stellte bereits während der Planungsphase das Team der ausführenden Handwerker zusammen, sodaß nach einem millimetergenauem Aufmaß des Gebäudes die Planung am runden Tisch mit allen Beteiligten beginnen konnte. Die Effiktivität dieses Planungsprozesses mündete schließlich in einer äußerst wirtschaftlichen Vorfertigung. Auf einem vorbereiteten Schwellenkranz in Höhe der Kellerdecke wurden die Fassadenelemente des Erdgeschoßes aufgesetzt während die Elemente des Obergeschoßes von der Decke zum Dachgeschoß abgehängt wurden. Die Fassadenelemente wurden einschließlich Fassadenverkleidung und fertig eingebauten Fenstern angeliefert und montiert, sodaß anschließend nur noch die alten Fenster nach innen ausgebrochen und durch einen Leibungsrahmen ersetzt werden mußten. Die Montagezeit vor Ort wurde so auf 1/8 des üblichen reduziert. Dämmstoffdicken von 30 cm beim Altbau, 36 cm beim Dachgeschoß und 40 cm in der Dachfläche reduzieren zusammen mit Passivhaus-Fenstern den Heizenergieverbrauch auf 1/10 des ursprünglichen. Erreicht wird dieses Ergebnis außerdem mithilfe einer ausgezeichneten Luftdichtheit und einer kontrollierten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Der Restheizenergiebedarf wird durch einen kleinen Pelletskessel abgedeckt. Die Mieter wurden durch die Baumaßnahmen kaum beeinträchtigt und freuen sich über einen Raum- und Energiegewinn über eine großzügig verglaste Gebäudeerweiterung nach Südwesten. Mit schalldämmenden Materialien ausgekleidete Loggien ermöglichen jetzt auch wieder den Aufenthalt im Freien. Um einen farblichen Kontrast zur Lärchenholzschalung der Fassadenelemente am Altbestand herzustellen wurden die Anbauten und das Dachgeschoß mit einer Fassadenplatte verkleidet.


Sonstiges:

Die Entwicklung und Verwendung von vorgefertigten Fassadenelementen einschließlich Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen weckte das Interesse von Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen aus der ganzen Welt. So wurde das Projekt im Rahmen eines Forschungsvorhabens unter der Federführung der Technischen Universität München am Lehrstuhl von Prof. Hermann Kaufmann zusammen mit skandinavischen Hochschulen auf sein Innovationspotenzial hin untersucht. Inzwischen sind europaweit mehrere größere Gebäude nach diesem Vorbild energetische saniert worden. Das Projekt wurde auf der 11. Internationalen Passivhaustagung 2007 in Bregenz einem Publikum von über 1000 Fachleuten aus aller Welt vorgestellt, ebenso auf vielen weiteren Fachkongressen und wurde vielfach publiziert und mit Preisen ausgezeichnet, so z.B. mit dem KlimaHaus Bayern Preis.

   Felkner_Ambros_p Detail Fassade 3-1000GR EG_OG-1000Felkner_Ambros_f von Nord-OstenVorfertigung 1Bestand 1Bestand 2Felkner_Ambros_f von SüdenFelkner_Ambros_f von Süd-OstenSanierung 1