Faktor 10 Sanierung Mehrfamilienwohnhaus SWW

Auftraggeber:
Sozial-Wirtschaftswerk Landkreis Oberallgäu

Leistungen:
LPH 1-8 HOAI
Bestandsaufnahme
EnEV-Berechnungen
Dampfdiffusionsberechnungen

Planung:
ab 01/2006

Realisierung:
07/2006 bis 05/2007

Daten:
Beheiztes Volumen 2469 m³
Gebäudenutzfläche 790 m²

Energiestandard:
Faktor 10-Sanierung
Primärenergiebedarf 41 kWh/m²a
Heizenergiebedarf 37 kWh/m²a

Projektbeteiligte:
IB Knecht


 

Ausgangslage:

Das Mehrfamilienhaus einer Wohnungsbaugesellschaft im Zentrum von Oberstdorf wurde 1960 erbaut und hat 12 Wohnungen, von denen je-weils sechs über ein gemeinsames Treppenhaus erschlossen werden. An dem Wohnblock bzw. in den Wohnungen wurden in den letzten Jahrzehnten keinerlei Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Einige der Wohnungen wurden wie zur Erbauungszeit mit Holz-Kohle-Küchen- bzw.-Bazemimmeröfen beheizt und mit Warmwasser versorgt. Einige der Mieter hatten sich zwischenzeitlich auf eigene Kosten Ölöfen und elektrische Durchlauferhitzer angeschafft. Alle Wohnungen hatten noch die einfach verglasten Fenster, die Stahlbetondecken zum Keller und zum Dach waren komplett ungedämmt. Das Gebäude wurde 2005 zur Teilnahme am DENA-Modellvorhaben (Deutsche Energie Agentur) „Niedrigenergiehaus im Bestand“ eingereicht.

Konzept:

Nach der Aufnahme als eines von 100 Projekten in Deutschland wurde der Wohnblock nach nur 3 monatiger Planungszeit in der zweiten Jahreshälfte 2006 innerhalb von wenigen Wochen saniert. Die Woh-nungen mußten im bewohnten Zustand instand gesetzt werden, was ei-ne zusätzliche Herausforderung bedeutete. Deshalb wurden die Eingriffe in den Wohnräumen auf ein Minimum reduziert. Trotzdem wurden die Bäder vergrößert, die Flurdecke diente als Verteilerebene für alle Lei-tungen und Rohre und wurde hernach verkleidet, die Elektroinstallation mußte ebenso erneuert werden wie die meisten Wasser- und Abwasserleitungen. Um eine Faktor 10 Sanierung zu erreichen (das Gebäude sollte nach der Sanierung nur noch 1/10 der ursprünglich benötigten Heizenergie verbrauchen) wurde das komplette Gebäude mit einem 20 cm dicken Wärmedämmverbundsystem eingepackt und alle Wärmebrücken bestmöglich beseitigt. So wurden die alten Beton-balkone abgeschnitten und durch neue vorgesetzte Stahlbalkone ersetzt. Das Haus erhielt eine große in die Fassade integrierte Solaranlage zur Warmwasserbereitung und Unterstützung der Beheizung durch eine Grundwasser-Wärmepumpe. Der Stromverbrauch der Wärmepumpe wird fast gänzlich über den Ertrag aus der Photovoltaikanlage auf der südlichen Dachhälfte kompensiert. Jeweils drei übereinander liegende Wohnungen erhielten eine gemeinsame Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, deren Zentrale im Dachgeschoss jeweils links und rechts der Treppenhäuser aufgestellt wurde.

 

Sonstiges:

Um die Attraktivität des Mehrfamilienhauses zu erhöhen wurden die neuen Balkone vergrößert und die Außenanlagen komplett erneuert. Durch die Lärchenholzfenster mit Schiebeläden und die frische Farbge-bung hebt sich das Gebäude auch äußerlich wohltuend von vergleichba-ren Bauten aus der Entstehungszeit ab. Natürlich sollte dieses Sanie-rungsvorhaben auch als Vorzeigeobjekt dienen um andere Wohnungs-bauunternehmen zu vergleichbar innovativen und energieeffizienten Mo-dernisierungsmaßnahmen zu animieren. Das Projekt wurde auf der 11. Internationalen Passivhaustagung 2007 in Bregenz einem Publikum von über 1000 Fachleuten aus aller Welt vorgestellt, ebenso auf vielen weiteren Fachkongressen und wurde vielfach publiziert und mit Preisen ausgezeichnet, so z.B. mit dem KlimaHaus Bayern Preis.

 


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