Wohnhaus Haufler

Auftraggeber:
privat

Leistungen:
LPH 1-9 HOAI
EnEV- und PHPP-Berechnungen
Dampfdiffusionsberechnungen
Energiekonzept

Planung:
Planung ab 1999

Realisierung:
05/2000 bis 05/2001

Daten:
Beheiztes Volumen 912 m³
Gebäudenutzfläche 217 m²

Energiestandard:
Passivhaus
Primärenergiebedarf xx kWh/m²a
Heizwärmebedarf 15 kWh/m²a

Projektbeteiligte:
IB Knecht 

  Ausgangslage:
Die Familie bewohnte bereits ein selbst errichtetes Wohnhaus am anderen Ende des Dorfes. Warum also innerhalb von wenigen Jahren ein zweites Mal bauen? Nun, zum einen fehlte ein Arbeitszimmer und zum anderen waren die Bauherren begeistert vom Passivhauskonzept, das es bei ihrem ersten Bau noch nicht gab.

Konzept:
Der Bauplatz für dieses großzügige Wohnhaus mit Büro und teilweise beheizten Kellerräumen sowie einer Doppelgarage liegt am südlichen Ortsrand von Türkheim. Für dieses Baugebiet existiert ein rechtskräftiger Bebauungsplan, der eine 1 ½-geschoßige Bauweise vorschreibt. Durch die Vorlagerung von einer Veranda auf der Nordseite sowie eines Stahlgerüstes für den Sonnenschutz auf der Südseite gelang es, die Festsetzungen des Bebauungsplanes zu umgehen.Aufgrund der Nähe zur Wertach wurde der Keller als wasserdichte weiße Wanne ausgeführt. Während des bereits fortgeschrittenen Entwurfsprozesses kamen immer mehr Kellerräume hinzu, die innerhalb der beheizten Raumhülle sein sollten, sodaß im Endeffekt ca. 2/3 des Kellers warm sind. Die gewählte Innendämmung ist bauphysikalisch außerordentlich schwierig und birgt vor allem in der Ausführungsphase ein großes Fehlerpotenzial. Die Kellerdecke ist bereits als Holzkonstruktion in wärmegedämmter Hohlkastenbauweise ausgeführt. Innen- und Außenwände des 2-geschoßigen Gebäudes sind in Holzständerbauweise. Die Außenwand ist raumseitig mit einer Installationsebene und außenseitig mit einer Horizontalschalung aus Lärche versehen. Die Geschoßdecke über dem EG ist als von unten sichtbare Brettstapeldecke in Leimholz ausgebildet. Das Dach ist raumhaltig, sodaß ein optimales A/V-Verhältnis erreicht wird. Die Dachkonstruktion ist genauso aufgebaut wie die Außenwandkonstruktion (von innen nach außen):Gipskarton 12,5 mmOSB   15 mm Zellulose/KVH   160 mm Dampfbremse   0,3 mm Mineralwolle/KVH   240 mm OSB   15 mm Die Fenster sind in Lärche. Sämtliche Holzbauteile sowohl im Innen- als auch im Außenbereich sind unbehandelt. Dafür sind die Regeln des konstruktiven Holzschutzes eingehalten. Das Gebäude wurde von Anfang an im Passivhausstandard konzipiert. Der Keller war ursprünglich nicht innerhalb der beheizten Raumhülle geplant. Neben dem Haustechnikraum sind letztendlich jedoch knapp 2/3 des Kellers beheizt. Dem Gebäude vorgelagert ist ein nicht beheizter, jedoch wärmegedämmter Windfang. Über einen 45 m langen Erdreichwärmetauscher DN 200 wird auf der Südseite der Garage über einen Filter frische Außenluft angesaugt und gelangt über die Nordseite in den Keller und von dort zum Kompakt-Lüftungsaggregat. Der Erdreichwärmetauscher ist in der erweiterten Baugrube im Gefälle zum Haus verlegt. Im Gebäude sind die Lüftungskanäle innerhalb von geschlossenen Bauteilen nur als Steigleitungen mit Wickelfalzrohren in DN 100 verlegt. So können sämtliche Luftkanäle bei Bedarf mechanisch gereinigt werden. Die Warmwasserbereitung wird unterstützt durch ca. 18 m² Kollektorfläche sowie einen Holzpellets-Kaminofen, der mit 20 % Wärmeabgabe an die Raumluft außerdem den Restheizenergiebedarf deckt. Ein Jenni-Warmwasserspeicher rundet die technische Anlage ab. Die Frischluft wird in die Aufenthaltsräume über Boden- bzw. Wandauslaßventile eingeblasen und über die Nebenräume abgesaugt. Das Büro ist schalltechnisch von den Wohnräumen abgekoppelt. Hier sorgt eine Wand-Überströmöffnung für die notwendige Entlüftung. Grundsätzlich ist jeder Aufenthaltsraum über öffenbare Fenster in jeweils zwei Fassaden auch natürlich zu belüften. Eine zentrale Staubsaugeranlage gewährleistet zusammen mit der Lüftungsanlage, daß die Räume staub- und pollenfrei bleiben. Die Photovoltaik-Anlage mit 5 kW Leistung speist den Strom zur Zeit ins Netz ein, könnte aber auch den Bedarf des Gebäudes knapp decken.

Sonstiges:
Die Bewohner fühlen sich sehr wohl in ihrem Gebäude, obwohl es anfänglich vor allem von Seiten der Bauherrin Bedenken gab, ob dieses Haus so richtig warm wird. Es hat sich gezeigt, daß das System zur Raumbeheizung kaum durch den Holzpellets-Kaminofen unterstützt werden muß. Zur Warmwasserbereitung während der Perioden ohne Sonnenschein ist dieser Ofen allerdings unerläßlich. Dieses Haus war eines der ersten Passivhäuser im Allgäu, wurde vielfach publiziert und ist aufgrund seines minimalen Energieverbrauchs natürlich aktueller denn je.
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