Sanierung Ritterhof

Auftraggeber:
privat

Leistungen:
LPH 1-8 HOAI
Bestandsaufnahme
EnEV-Berechnungen
Dampfdiffusionsberechnungen
Energiekonzept

Planung:
ab 09/1989

Realisierung:
09/1989 bis heute

Daten:
Beheiztes Volumen xxx m³
Gebäudenutzfläche 703 m²

Energiestandard:
Niedrigenergiehaus, Faktor 10-Sanierung
Primärenergiebedarf xx kWh/m²a
Heizwärmebedarf 43 kWh/m²a

Projektbeteiligte:
keine


 

Ausgangslage:

Das Bauernhaus inmitten des alten Ortskernes von Oberdorf stand zum Verkauf und wurde vom Architekten Michael Felkner 1989 mit der Absicht erworben, hier zu wohnen, zu arbeiten und Tiere zu halten.


Konzept:

Aufgrund der bisherigen Nutzung war das Gebäude – obwohl es mitten im Dorf liegt – noch nicht einmal an die öffentliche Kanalisation angeschlossen. Ein Teil des Daches war undicht, die Elektroinstallation veraltet, die Räume nur teilweise über Einzelöfen beheizbar und das Bad stammte aus den 50er Jahren. Um das Gebäude bewohnbar und nutzbar zu machen mußte also zunächst ein Kanalanschluß hergestellt und ein neues Bad eingebaut werden. Zur Warmwasserbereitung und Beheizung des Bades sollte eine Gastherme dienen. Im Zuge der Kanalanschlußarbeiten wurde ein Flüssiggastank im Garten vergraben. Die Elektroinstallation wurde erneuert und das Dach über dem Wiederkehr instand gesetzt. Damit war es möglich, das 360 m² große Wohnhaus zu beziehen und darin auch das Architekturbüro einzurichten.
Es sollten fast 10 Jahre vergehen bis ein nächster Schritt auf dem Weg des angepeilten Gesamtnutzungskonzeptes realisiert werden konnte. Der ehemalige Kuhstall mit 122 m² wurde zum Architekturbüro und die angrenzende Heulege mit 143 m² wurde zum Naturkostladen umgebaut. Böden, Außenwände und Decke zur nicht ausgebauten Scheune wurden 20 bis 26 cm dick gedämmt. Die feuchten Stallwände wurden mit einer Bauteiltemperierung trocken gelegt. Die Räume werden über eine Wandstrahlheizung beheizt, die über einen Scheitholzkessel im Keller und eine große Solaranlage auf dem Süddach gespeist werden. Aufgrund der guten Wärmedämmung und der Abwärme von Beleuchtung und Kühlgeräten muß der Ladenraum allerdings gar nicht beheizt werden.
Im Jahr 2005 wurde die anstehende Sanierung der Wohnung im Wiederkehr zur Teilnahme am DENA-Modellvorhaben (Deutsche Energie Agentur) „Niedrigenergiehaus im Bestand“ eingereicht und als eines von 100 Projekten in Deutschland ab Mitte 2006 grundlegend Instand gesetzt. Dabei sollte der Energiebedarf nach der Sanierung 1/10 des ursprünglichen betragen, was durch eine sehr gute Dämmung (34 bis 38 cm) der Gebäudehülle und den Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung auch gelang. Der Restheizenergiebedarf wird über eine 12 m² große Solaranlage und einen in das System eingebundenen Küchenofen bereitgestellt. Über Wandstrahlheizflächen gelangt die Wärme in die Räume und schafft zusammen mit den lehmverputzten Wänden, den Massivholzdecken und den baubiologisch/ökologisch unbedenklichen Bau- und Dämmstoffen ein unübertroffen angenehmes Raumklima. Selbstverständlich sind die neuen Lärchenholzfenster 3-fach verglast. Das Erdgeschoß mit Koch- und Eßbereich, Bad und einem kleinen Zimmer ist barrierefrei, das Dachgeschoß mit Wohngalerie und Schlafzimmer ist über einen offenen Luftraum mit dem Erdgeschoß verbunden.
Parallel dazu läuft die Sanierung des alten Wohnhauses. Auf der Nordseite wurde eine 30 cm dicke Außendämmung aufgebracht und in diesem Zuge der nicht mehr benötigte Gastank ausgegraben, an der Fassade aufgestellt, mit dem notwendigen Innenleben ausgestattet und eingehaust (wärmegedämmt). Zusammen mit der Vergrößerung der Solaranlage auf 40 m² kann der 4850 Liter fassende Pufferspeicher die Sonnenergie auf dem Süddach optimal ausnutzen. Die restliche Dachfläche wurde in zwei Etappen mit 15 kW Solarpaneelen belegt, die rechnerisch den gesamten Strombedarf des Gebäudes abdecken. Die übrigen Außenwände des Hausstocks wurden auf der Innenseite gedämmt, mit Lehmbauplatten verkleidet, mit Wandstrahlheizflächen belegt und mit Lehm verputzt. Die Holzbalkendecken wurden instand gesetzt bzw. durch Brettstapeldecken ersetzt. Sowohl in der Einliegerwohnung als auch im Haupthaus wurden geseifte Massivholz-Dielenböden aus Allgäuer Mondholz verlegt. Allein die Stube im Erdgeschoß blieb unberührt, da hier ein altes Täfer zum Vorschein kam. Stube und Küche werden über einen typischen Grundofen beheizt, in der Küche steht außerden „Oma’s Küchenherd“.

Sonstiges:

Bei der Sanierung des Anwesens wurde nicht nur die ursprüngliche Grundrißstruktur, sondern auch das äußere Erscheinungsbild erhalten. Die Verglasungen des Architekturbüros und des Naturkostladens fügen sich unauffällig und harmonisch in das Gesamtbild ein, ebenso der Wiederkehr. Bereits im Jahr 2007 wurde das Gebäude von der KfW mit dem Energieeffizienzpreis (1. Platz) ausgezeichnet. Ferner wurde das Projekt auf der Internationalen Passivhaustagung 2008 in Nürnberg einem Publikum von 1000 Fachleuten aus aller Welt präsentiert, ebenso auf Solarkongressen und Holzbautagungen. Auch in Publikationen und Fernsehbeiträgen wurde thematisiert, was hier in energetischer, ökologischer und gestalterischer Hinsicht in vorbildhafter Weise umgesetzt wurde.


   080313 Felkner Ansicht Süd 080313 Felkner GR EG 080313 Felkner Ansicht Ost 091020 Ansicht Süden 1 091020 Ansicht Süden 2 080310 Ladeneingang 130923 Stube 3 080927 Fenster 1 091009 Hintere Räume Wiederaufbau