AlpSeeHaus – Naturparkzentrum

Auftraggeber:
Stadt Immenstadt

Leistungen:
LPH 1-9 HOAI
EnEV-Berechnungen
Dampfdiffusionsberechnungen
Energiekonzept

Planung:
ab 10/2009

Realisierung:
08/2010 bis 05/2012

Daten:
Umbautes Volumen 3440 m³
Nutzfläche 925 m²

Energiestandard:
Heizwärmebedarf 20 kWh/(m²a)

Projektbeteiligte:
Verdandi
IB Schwärzler, Statik
IB Merdian, Brandschutz
IB KTO, Haustechnik
IB Kettner & Baur, Elektrotechnik
Ratec-Licht, Lichtplanung

 

Ausgangslage:

Der Naturpark Nagelfluhkette vereint die Gemeinden aus dem südlichen Allgäu und dem Vorderen Bregenzerwald. Er ist damit der erste grenzüberschreitende Naturpark zwischen Deutschland und Österreich. Die beteiligten Gemeinden sind um den Gebirgszug der Nagelfluhkette angeordnet, der sich vom Nordende des Alpsees nach Süden erstreckt. So wurde die Idee geboren am Ufer des Alpsees das geplante Naturparkhaus als „Tor zum Naturpark“ zu errichten. Dieses Gebäude beherbergt wichtige Funktionen für die Besucher des Naturparks mit Info-Point, Naturparkausstellung und Naturerlebniszentrum. Naheliegend war, daß sich die Tourismusverwaltung der Stadt Immenstadt hier ebenfalls ansiedelt. Neben den Büroräumen für den Naturpark ist hier auch der Bund Naturschutz mit seiner Geschäftsstelle für das Oberallgäu angesiedelt – eine sinnvolle Ergänzung. Zusammen mit Geldern aus verschiedenen Fördertöpfen gab die Zusage zur Aufnahme in das Konjunkturpaket 2009 den Startschuß zu diesem Projekt. Demzufolge mußte der Planungsprozeß kompakt und zielgerichtet ablaufen: erste Konzeptstudien im November 2009, Entscheidung im Stadtrat Dezember 2009, Baubeginn August 2010, Rohbaufertigstellung Dezember 2010, Inbetriebnahme Erdgeschoß Juli 2011, Eröffnung 2012


Konzept:

In Anlehnung an die Philosophie der Deutschen Naturparke sollte, das Gebäude so naturverträglich wie möglich gebaut werden um beispielgebend zu demonstrieren, wie die Menschen hier in der Region versuchen, die Natur verantwortungsvoll zu gestalten und zu nutzen. Die Idee der Ausstellungsmacher war, daß die Besucher dieses Hauses in die Rolle von Außerirdischen versetzt werden, die auf der Suche nach einem lebenswerten Planeten mit ihrem Raumschiff am Ufer des Alpsees landen. So galt es, aus dem im Naturpark Nagelfluhkette im Überfluß vorkommenden Material Holz ein Raumschiff zu formen, das als Tor zum Naturpark dient. Gebäudehülle im Passivhausstandard, komplett aus Allgäuer Holz, gedämmt mit Holzfaser und Zellulose, sämtliche Baustoffe gewonnen aus nachwachsenden Rohstoffen, recyclingfähig, umweltschonend, wohngesund. Damit ein öffentliches Gebäude dieser Art komplett in Holzbauweise ohne jegliche brandschutztechnische Verkleidungen errichtet werden kann, bedarf es einer intensiven Zusammenarbeit zwischen den verschiedensten Ingenieurdisziplinen. Vom Entwurf über die Tragwerks-, Haustechnik-, Elektro- und Beleuchtungsplanung bis hin zum Brandschutzkonzept und der nach ökologischen Gesichtspunkten erfolgten Materialwahl sind hier die unterschiedlichsten Belange zu einer wirtschaftlichen Gesamtlösung zusammengeführt worden. Wenn eines Tages die kleine Ortsumfahrung Bühl realisiert wird, kommen die Besucher von Nordosten auf das Gebäude zu. Die nach beiden Seiten verglaste Eingangshalle mit Tourist-Info, Kasse und Verkauf bildet so das Tor zu dem sich von hier aus über den AlpSee hinweg nach Südwesten öffnenden Naturpark. Auf der einen Seite der Eingangshalle befindet sich der kaum in Erscheinung tretende Bürotrakt, auf der anderen Seite die öffentliche Toilettenanlage. Von der Eingangshalle werden die Besucher über einen futuristisch anmutenden Aufzug nach oben in einen Filmraum „gebeamt“, in dem sie als Raumfahrer das All durchkreuzen und auf der Suche nach einem lebenswerten Planeten die Erde entdecken. Mit Ende der letzten Filmsequenz landet das Raumschiff am Ufer des Alpsees, die Leinwand öffnet sich und die Besucher werden in das Raumschifflabor (die Naturparkausstellung) entlassen. Geführte Gruppen von jungen Besuchern verlassen dann über die Kommandobrücke das Schiff um am Ufer des Alpsees auf Entdeckungsreise zu gehen. Mit ihren Fundstücken kehren sie über eine weitere Landungsbrücke (Außentreppe) in das Raumschifflabor zurück um die unbekannten Objekte hier zu untersuchen.


Sonstiges:

Das AlpSeeHaus ist in seiner Konzeption und Konsequenz ein einzigartiges Projekt. Konstruktionen, Baustoffe, Brandschutz, Statik, Haustechnik, Funktionalität, Ästhetik in dieser Konsequenz unter gesamtökologischen Aspekten zu einem solchen Ergebnis zusammen zu formen ist nicht alltäglich. Deswegen wurde dieses Gebäude bereits im April 2011 kurz nach der Rohbaufertigstellung auf dem Internationalen Symposium „Holz Innovativ“ in Rosenheim 300 Holzbaufachleuten aus ganz Europa vorgestellt. Und im Mai 2012 wurde das Projekt auf der Internationalen Passivhaustagung präsentiert, die alljährlich über 1000 Fachbesucher aus über 40 Länder zählt. Übrigens war dies bereits das 6. innovative Projekt, das auf dieser Tagung vom Architekturbüro Felkner vorgestellt wurde.


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